Die ehemalige
Stadt Odenkirchen

 

Die ehemalige Stadt Odenkirchen (1856 - 1929), eine Bildreihe

Odenkirchen nach der Bombennacht vom 31. August 1943

(Eine Bilddokumentation  -  Gedenkveranstaltungen im Jahre 2003)

Odenkirchen damals und heute

(Eine Gegenüberstellung alter und neuer Ansichten)

Die Insignien

Ein Gruß von Bürgermeister Böning

Odenkirchener Köpfe

Zeittafel

 

 

Odenkirchener Köpfe

Hervorragende Zeugnisse des Historismus

Das wohlhabende Odenkirchen der kaiserlichen Zeit schuf mit der Bauweise des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts ein liebenswürdiges Stadtbild, das als Ausdruck der Gesinnung und des Stilempfindens jener Zeit zu werten ist. Es ist die Zeit des Historismus, hier bei uns der Zeitraum von etwa 1880 bis 1914 (in den größeren Städten von 1815 bis 1900). Mit ihm bezeichnet man in der Stilgeschichte ein Phänomen des 19. Jahrhunderts, bei dem man auf ältere Stilrichtungen zurückgriff und diese nachahmte.

Besonders der reichhaltige Fassadenschmuck lässt deutlich werden, mit welcher Liebe zum Detail noch gearbeitet wurde. Damals eher eine Selbstverständlichkeit, sollten wir heute zu würdigen wissen, dass uns diese Zeugen der Vergangenheit erhalten geblieben sind. Sie sind es wert, dass man nicht achtlos an ihnen vorübergeht. Es lohnt sich, mit Zeit und Muße einmal einen Rundgang durch Odenkirchen zu  machen und dabei einen Blick nach oben auf die schön gestalteten Fassaden zu richten.

Es ist tatsächlich so, dass wir  im Laufe der Jahre durch die Gewohnheit abgestumpft sind und so diese Zeugen aus alter Zeit einfach nicht mehr wahrnehmen.  Dabei gibt es viele – im wahrsten Sinne des Wortes - hervorragende Details und Schmuckelemente zu entdecken, wie Erker, Kartuschen, Ornamente, Medaillons und ... das ist hier das Thema: die steinernen Köpfe an den Fassaden.

Ein typisches Beispiel für die historistische Wohnbebauung Odenkirchens ist das Ensemble an der Burgfreiheit bzw. Mülgaustraße an der Einmündung der Korneliusstraße

Es sind Maskarone, in Stein gehauene Masken von Menschen, Tieren oder Fantasiegestalten. Sie hatten ursprünglich eine – meist in Form von Fratzen und Fratzenköpfen – zugedachte unheilabwehrende Funktion. Später wandelte sich die Anwendung hin zum dekorativen Schmuckelement, dass im Mittelalter, in der Renaissance und vor allem im Barock auf Fassaden, Möbeln und kunsthandwerklichen Gegenständen sehr beliebt war. Ein Beispiel aus der Renaissance sind die behelmten Köpfe – sie stellen Helden der römischen Geschichte dar – an der Rückseite des Hauptflügels (oberhalb der Loggia) von Schloss Rheydt.

Bei unserem Rundgang durch Odenkirchen finden wir - in historistischer Anwendung – beide Formen vor. Am Haus Nr. 52 der Mülgaustraße ist die Schlusssteinimitation der Fenster im Erdgeschoss mit einem Löwenkopf 1) besetzt. Ansonsten herrscht die dekorative Gestaltung menschlicher Köpfe vor. Dabei taucht als einziges männliches „Wesen“ der von Malerpaletten flankierte "Künstlerkopf"6) an der Stirnseite des Hauses Von-der-Helm-Straße 2 auf. Unter all den übrigen sogenannten „Mädchenköpfen“ ist er natürlich „Hahn im Korb“.

In den mehr als hundert Jahren, in denen sie Wind und Wetter trotzten, haben sich die "Odenkirchener Köpfe" hervorragend gehalten, wobei allenthalben eine Auffrischung mit Pinsel und Farbe stattgefunden hat. Beim Studium der Gesichter fallen diverse Unterschiede auf: Nicht alle wirken wie "versteinert". Manche kommen erhaben - nahezu majestätisch - daher, andere mit einem fast gütigen Blick. Und die Dame im Bild 10 schämt sich ihrer Tränen nicht. Die Köpfe finden wir an unterschiedlichen Stellen der Fassaden: auf den Schlusssteinen der Fensterbögen 1), 5), 7), 10), als Bestandteil von Schmuckfeldern 2), 8), 9), als Medaillon 3), 4) und als Konsole 11).

 Text und Fotos: Heinz Eßer

 

1)  Mülgaustraße 52

 

 

3)  Burgfreiheit 1 4)  Burgfreiheit 3

 

2) Schmidt-Bleibtreu-Straße 35 5)  Burgfreiheit 6

"Hahn im Korb"  

6)  Von-der-Helm-Straße 2

7)  Kölner Straße 24 10)  Mülgaustraße 233

 

8)  Kölner Straße 12 9)  Schmidt-Bleibtreu-Straße 30

 

11)  Mülgaustraße 2

                                                                                                                                                            

Anmerkungen
1) Mülgaustraße 52, Baujahr um 1900, Schlusssteinimitation der Fenster im Erdgeschoss mit Löwenkopf besetzt
2)

Schmidt-Bleibtreu-Straße 35, Baujahr 1898, Erker im Obergeschoss mit segmentbogiger Verdachung und einliegendem Rahmenwerk mit Mädchenkopf

3)

Burgfreiheit 1, Baujahr um 1890, Seitenfenster im ersten Obergeschoss der Eckwarte bekrönt von einem kreuzförmig verankerten 

Medaillon mit umranktem Mädchenkopf

4) Burgfreiheit 3, Baujahr um 1890, innerhalb des neoklassizistischen Dreieckgiebels Medaillon mit seitwärts gerichtetem Mädchenkopf
5) Burgfreiheit 6, Baujahr vor 1900, Hauszugang und Fenster besetzt mit einem zur Mädchenmaske umgestalteten Schlussstein
6)

Von-der-Helm-Straße 2, Baujahr 1900, Unterhalb des Zwerchgiebels an der Stirnseite des Hauses lässt der umrankte und von 

Malerpaletten flankierte "Künstlerkopf" unschwer die Art des in diesem Hause ansässigen Handwerksbetriebes erkennen.

7) Kölner Straße 24, Baujahr um 1900, oberhalb der Eingangsnischen Schlusssteinimitation als Mädchenkopf ausgebildet
8) Kölner Straße 12, Baujahr um 1900, oberhalb Eingangsnische floral besetztes Schmuckfeld mit Mädchenkopf
9)

Schmidt-Bleibtreu-Straße 30, Baujahr um 1900, seitlich innerhalb der mit Konsolen abschließenden  Brüstungen  des ersten 

Obergeschosses Rankenwerk mit Mädchenkopf 

10) 

Mülgaustraße 233, Baujahr um 1905, Schlussstein der Fenster und Eingangsnische als Mädchenkopf ausgebildet, vereinfachte   

Anwendung von Jugendstilelementen

11)  Mülgaustraße 2, Baujahr um 1890, seitlich beiderseits Eingangsnische als Mädchenbüste ausgebildete Konsole
.
Das Schmuckfeld in den Quadranten befindet sich am Haus Wilhelm-Nießen-Straße 9

 

 

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